Die verlorene Ehre der Katharina Blum
Protokoll einer Eskalation
von Heinrich Böll
Karneval in einer deutschen Kleinstadt: Eine junge Frau verbringt eine Nacht mit einem Mann. Am nächsten Morgen steht die Polizei vor ihrer Tür – und binnen weniger Tage gerät ihr gesamtes Leben in die Schlagzeilen.
Eine reißerische Boulevardzeitung stürzt sich auf den Fall. Vernehmungsprotokolle sickern durch, Zitate werden aus dem Kontext gerissen, das gesamte Umfeld der jungen Frau ausgeschlachtet. Aus einer Nacht wird ein Skandal und Blum selbst wird längst öffentlich verurteilt, bevor ein Gericht auf nur einen Blick auf den Fall geworfen hat. Sie verliert ihren Ruf, ihre Würde und die Kontrolle über die eigene Geschichte. Und so stellt sich bald nicht mehr die Frage, was sie getan hat, sondern was man ihr antut.
John von Düffel verdichtet Bölls Stoff zu einem temporeichen Drama zwischen Verhörprotokoll, Zeitungsschlagzeile und Beichte. Was 1974 als Abrechnung mit dem Boulevardjournalismus geschrieben wurde, ist bis heute von ungebrochener Aktualität: Eine schonungslose Studie darüber, wie Medien und öffentliche Meinung über Menschen richten, lange bevor die Justiz es tut.
Ein Stück über Scham und Stolz, über Machtmissbrauch und Manipulation – und über die Macht, die Worte über ein Leben gewinnen können.
Bühnenfassung von John von Düffel
Aufführungsrechte beim Rowohlt Theater Verlag, Hamburg