Würzburg liest ein Buch (nämlich Leonhard Franks Roman Die Jünger Jesu). Als Beitrag zu dieser Aktion stellt die Theaterwerkstatt in Kooperation mit der Leonard-Frank-Gesellschaft ein weiteres – erst kürzlich wiederentdecktes – Buch aus dem gleichen thematischen Umkreis vor:

Ernst Haffners Roman „Blutsbrüder“ aus dem Jahre 1932 führt an die zwielichtigen und verwahrlosten Ecken Berlins zur Zeit der Wirtschaftskrise, wo sich die Chancenlosen und Ausgestoßenen sammelten. Dort lebten damals Tausende Jugendliche auf der Straße, verdingten sich als Tagelöhner und Laufburschen, aber häufig führte ihr Weg sie auch in die Kriminalität oder Prostitution. Ein wenig Sicherheit und soziale Wärme fanden sie in selbst organisierten Cliquen, oft Familienersatz und kriminelle Bande in einem.
Poetisch und mit einem tieftraurigen Realismus erzählt, folgt Haffner den Mitgliedern der Jugendbande und beschreibt ihren grausamen Überlebenskampf und ihren Freiheitswillen, der sich in einer Jugendsubkultur äußerte, die heute vergessen ist. Der Simplicissimus schrieb über das Buch: »Man liest es mit Gier und Spannung … es ist einfach packender und wichtiger Lesestoff.«

Von den Nazis verboten und öffentlich verbrannt, wurde das Buch vergessen und ist  nun, 80 Jahre nach seiner Erstveröffentlichung, ein zweites Mal erschienen.